Barrierefrei wohnen im Alter

Reichertshofen - Eine Stufe vor der Haustür, eine enge Dusche oder nachts der Weg zur Toilette: Mit zunehmendem Alter oder bei einer Erkrankung können solche alltäglichen Dinge zum Problem werden. Architekt Uwe Gutjahr von der Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer zeigte in Reichertshofen, welche Veränderungen das Wohnen sicherer machen können.

 

„Ankommen, reinkommen, klarkommen“: Mit diesen drei Begriffen beschrieb Gutjahr, worauf es ankommt. Schon am Hauseingang können Stufen und Schwellen im Weg sein. In der Wohnung sorgen freie Durchgänge und eine gute Beleuchtung für mehr Sicherheit. Gerade im Badezimmer machen sich Anpassungen bemerkbar. Eine bodengleiche Dusche, Haltegriffe und eine Sitzgelegenheit erleichtern Menschen mit körperlichen Einschränkungen die tägliche Pflege. Auch eine Toilette in passender Höhe mit Haltegriffen kann dabei helfen, länger selbstständig zu bleiben. Für den nächtlichen Gang ins Bad empfahl Gutjahr ein Nachtlicht und einen möglichst kurzen, sicheren Weg.

 

Janine Weiß und Uwe Gutjahr1_vov
Wie lässt sich das eigene Zuhause sicher und altersgerecht gestalten? Architekt Uwe Gutjahr von der Beratungsstelle Barrierefreiheit informierte in Reichertshofen über praktische Lösungen und Fördermöglichkeiten. Mit auf dem Bild ist Janine Weiß vom Quartiersmanagement. Foto: Verena Vogl

 

Dafür muss nicht gleich die ganze Wohnung umgebaut werden. Oft reichen kleinere Veränderungen oder geeignete Hilfsmittel. Begleitend zur Veranstaltung stellte ein Sanitätshaus im Eingangsbereich der Schule unter anderem Duschhocker, Toilettenstühle und Rollatoren vor. Auch technische Unterstützung war zu sehen: Mit entsprechenden Systemen lassen sich beispielsweise Licht, Türen oder das Bett teilweise per Sprachsteuerung bedienen. Mobile Liftsysteme können ebenfalls den Alltag erleichtern. Welche Lösung passt, hängt von der jeweiligen Wohnsituation und den Bedürfnissen der Bewohner ab.

 

Wer größere Umbauten plant, sollte nicht zu lange warten. „Je früher, desto besser“, riet Gutjahr. Eine ohnehin anstehende Sanierung bietet sich an, um Barrierefreiheit gleich mitzuplanen. Gut passen kann das beispielsweise, wenn die Kinder ausgezogen sind. Sind Menschen bereits stark in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, lassen sich notwendige Umbauten oft schwerer organisieren.

 

Auch Mieter können unter bestimmten Voraussetzungen Veränderungen vornehmen lassen. Sie müssen die geplanten Arbeiten allerdings mit ihrem Vermieter abstimmen. Die Beratungsstelle unterstützt bei Fragen dazu und kann vermitteln. Für einen barrierefreien Umbau kommen unter bestimmten Voraussetzungen auch Fördermittel infrage. Gutjahr verwies auf Programme des Freistaats Bayern mit Zuschüssen von bis zu 10.000 Euro. Dabei spielt unter anderem das Einkommen eine Rolle.


Daneben können Pflegekassen bei vorhandenem Pflegegrad wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 Euro je Maßnahme bezuschussen. Ob eine Förderung möglich ist und wie hoch sie ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Die Anträge müssen in der Regel vor Beginn der Bauarbeiten gestellt werden. Gutjahr bot in Reichertshofen auch Einzelberatungen an, die von Besuchern genutzt wurden. Die Erstberatung ist kostenlos und findet dort zweimal im Jahr statt.
vov

 

Mitarbeiter des Sanitätshauses Spörer

Mitarbeiter des Sanitätshauses stellten bei der Veranstaltung in Reichertshofen verschiedene Hilfsmittel vor, darunter Rollatoren, Duschhocker und Toilettenstühle. Foto: Verena Vogl